Michael Haydn 2009

Maria Königin, Baldham, Sonntag, 21. Juni 2009 – 19 Uhr

JOHANN MICHAEL HAYDN

OFFERTORIUM pro festo cujuscunque
Sanctae Virginis et martyris C-DUR (1778)

MISSA 
in honorem Sanctae Ursulae C-Dur (1793) „Chiemseemesse“

COMPLETORIUM 
C-Dur (1802)

Alice Oskera-Burghardt – Sopran
Florian Mayr – Altus
Markus Roberts – Tenor
Christian Schmidt – Bariton
Tobias Skuban – Orgelpositiv

Neue Chorgemeinschaft Vaterstetten
Barockensemble „Sans-Souci“
auf historischen Instrumenten  a = 430’ (Neidhard 1729)

Leitung: Konstantin Köppelmann

Neben Wolfgang Amadeus Mozart, der im Jahr 1781 seine Vaterstadt endgültig verließ, war Johann Michael Haydn (1737 – 1806) in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der bedeutsamste Musiker, der am fürsterzbischöflichen Hof in Salzburg wirkte, und der weit über dessen Grenzen hinaus berühmt wurde. Obwohl Johann Michael Haydns Schaffen alle damals üblichen Gattungen der Musikpflege umfasste – er schrieb neben zahllosen Symphonien und Serenaden  auch Opern und verschiedene Singspiele – war er zu seinen Lebzeiten vor allem als Kirchenmusiker bekannt und hoch geachtet. Freilich berührt jene Äußerung Joseph Haydns über den jüngeren Bruder gegenüber dem Verleger Georg August Griensinger gleich zwei Bereiche, die für Johann Michaels Leben als Komponist von entscheidender Bedeutung waren: „In der Kirchenmusik verdienen die Arbeiten seines Bruders, Michael Haydn, eine der ersten Stellen; es sey aber nur schade, dass dieses Fach so schlecht bezahlt werde, denn man könne sich mit einem Dudelsack mehr verdienen, als mit Offertorien und Messen“.

haydnDer von Bescheidenheit und tiefer Frömmigkeit geprägte Charakter Johann Michael Haydns hielt ihn von 1763 bis zu seinem Tode 1806  bei mäßiger Bezahlung im Dienste der Salzburger Fürsterzbischöfe. Zunächst unter Mozart nur als “Hofmusicus und Concertmeister“ angestellt, übernahm er 1777 zusätzlich die Organistenstelle an der Dreifaltigkeitskirche und wurde am 30. Mai 1782 schließlich nach Mozarts Zerwürfnis mit dem Fürsterzbischof als dessen Nachfolger zum 1. Hof- und Domorganisten ernannt.  Der größte Teil seiner unübersehbar vielen Kompositionen wurde zu Johann Michaels Lebzeiten niemals im Druck veröffentlicht, und auch die ihm vom Fürsten Esterházy noch 1802 angebotene Stelle als Hofkapellmeister in der Nachfolge seines Bruders Joseph schlug er aus. Karrieredenken und ein – vielleicht auch finanzielles – „Fortkommen in der großen Welt“ blieben ihm Zeit seines Lebens fremd. Zeugnis für die von ihm selbst vielleicht gar nicht so wahrgenommene eigene Berühmtheit legen Kompositionsaufträge des Kaiserhofes in Wien, des spanischen Hofes in Madrid und die Aufnahme in die „königliche Schwedische Musikakademie“ ab. Zu seinen Schülern gehörten Carl Maria von Weber und Anton Diabelli. Johann Michael Haydn blieb auch beim Einfall der Franzosen in seinem geliebten Salzburg und starb nach langer Krankheit verarmt und einsam am 10. August 1806. Den Tod des einzigen Kindes, der Tochter Aloisia Josepha, die er mit seiner Frau, der Hofsängerin Magdalena Lipp hatte, verwand Johann Michael Haydn bis zu seinem Tode nicht.

Michael Haydns Musik lässt einen tiefgründigen und vielschichtigen Charakter erkennen, der sich in seinen Kompositionen niemals zu leeren Floskeln hinreißen ließ. Seine Manuskripte stellen fast immer saubere und erstaunlich fehlerfreie Reinschriften dar. Seine sehr anspruchsvolle Behandlung des Orchestersatzes steht weit über der seiner Zeitgenossen und übte einen nicht zu verachtenden Einfluss auf den jungen Mozart aus, der sich 1791 für die Komposition des Requiems das berühmte, schon 1771 entstandene Requiem von Johann Michael Haydn als nicht zu verkennendes Vorbild nahm.

Das Offertorium ist einer der veränderlichen Teile (Proprium) in der Liturgie der römisch-katholischen Messe. Die Besonderheit des 1778 für die Salzburger Kapellknaben komponierten  „Offertorium pro festo cuiuscunque Sanctae Virginis et Martyris“ stellt zweifellos der solistische Orgelpart dar, der das Werk immer wieder durch filigrane Zwischenspiele bereichert und zusammen mit den beiden Solisten, Chor und Orchester reizvolle und subtile Klangkombinationen ermöglicht.

Unter den über 30 von Johann Michael Haydn überlieferten Vertonungen des lateinischen Ordinariumstextes nimmt die „Missa in honorem Sanctae Ursulae“ (MH 546) eine Sonderstellung ein – man könnte sie auch als seine „mozartscheste“ Messkomposition bezeichnen. Eine Eintragung am Ende des Autographs nennt den 5. August 1793 als Datum der Fertigstellung der Messe. Den (allerdings späteren) Beinahmen „Chiemsee-Messe“ trägt das Werk wegen der Annahme, das Haydn das Werk zum Namenstag von Maria Sebastiana Oswald, einer Klosterfrau im Kloster Frauenwörth im Chiemsee geschrieben habe. Die hochmusikalische Maria Sebastiana legte am 19. August 1793 ihre Ordensgelübde ab und feierte am 21. Oktober des gleichen Jahres ihren Namenstag. Wann genau die Messe allerdings zum ersten Male erklang, kann letztlich nicht geklärt werden.

chiemseeDas Werk ist für vier Solisten und 4-stimmigen Chor komponiert, die vom damals gängigen sogenannten „Salzburger Kirchentrio“ begleitet werden: Zwei Violinstimmen und Basso continuo, bestehend aus Cello, Fagott, Violone und Orgel. Erweitert wird diese Besetzung durch zwei Trompeten und Pauken, die bei feierlichen Anlässen immer hinzugezogen wurden.  Die Messe für die heilige Ursula ist ein erstaunlich umfangreiches Werk, welches repräsentativ für Haydns Spätstil ist, und dessen großangelegte Einheit unter anderem durch subtile Veränderungen und Rückverweise auf thematisches Material zwischen den einzelnen Sätzen erreicht wird. Das sehr beliebte Werk fand äußerst rasche Verbreitung, was die zahlreichen erhaltenen Abschriften beweisen, und wurde noch weit im 19. Jahrhundert immer wieder instrumental erweitert. Für die heutige Aufführung habe ich selbst die Partitur um zwei Oboenstimmen erweitert.

Das zur Liturgie der Vesper gehörende „Completorium in C-Dur“ hat Johann Michael Haydn 1802 in Salzburg komponiert. Das Werk bildet im Rahmen der Vesper den Abschluss des Tagesoffiziums und besteht aus vier, deutlich voneinander getrennten, doch zugleich ineinander übergehenden Teilen, deren Text aus drei Psalmen mit dem jeweils abschließenden Gloria Patri sowie dem Hymnus besteht. In dem nur für Chor und Orchester geschriebenen Werk schafft es Haydn meisterlich, die geradezu entmutigende Textfülle ohne eine einzige Textwiederholung in logische Abschnitte zu untergliedern, musikalisch auszudeuten, und dabei auch noch neben der äußerlich erkennbaren Vierteiligkeit die jeweils einzelnen Unterabschnitte ganz klar zu strukturieren. (K.K.)

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Christian Schmid, Markus Roberts, Florian Mayr, Alice Oskera-Burghardt, Konstantin Köppelmann (v. li.)

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Und das schrieb die Presse über das Konzert:

Münchner Merkur vom 18./19. Juli

Süddeutsche Zeitung

Das schreibt die Presse:

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